Was braucht der Linux-Agent von meiner Desktop-Sitzung?
Was unter X11 und unter Wayland funktioniert, wozu die GNOME-Erweiterung dient, was nicht aufgezeichnet wird und wo Sie nachsehen, wenn etwas klemmt.
- Linux
Unter Linux entscheidet Ihre Desktop-Sitzung darüber, wie viel Worktivity sehen kann. Zwei Dinge zählen: ob Sie in einer X11- oder in einer Wayland-Sitzung angemeldet sind, und welche Desktop-Umgebung Sie verwenden. Ihre Arbeitszeit wird in jedem Fall aufgezeichnet.
Welche Sitzung habe ich?
Öffnen Sie ein Terminal und geben Sie ein:
echo $XDG_SESSION_TYPEDie Antwort lautet wayland oder x11. Auf aktuellen Ubuntu- und Fedora-Ausgaben ist Wayland die Voreinstellung. Manche Anmeldebildschirme lassen Sie vor dem Anmelden zwischen beiden wählen.
X11 und Wayland: was jeweils funktioniert
- X11: alles ohne Zusatzschritt. Worktivity liest das aktive Fenster direkt beim Fenstermanager, misst die Leerlaufzeit über die Bildschirmschoner-Erweiterung von X11 und nimmt Bildschirmfotos direkt auf. Es ist keine Berechtigung nötig.
- Wayland: der Kompositor gibt beides nicht mehr einfach heraus. Bildschirmfotos laufen über das Desktop-Portal und werden einmal beim Einstempeln abgefragt. Welche Anwendung im Vordergrund ist, kann unter GNOME nur die Worktivity-Erweiterung beantworten.
Wichtig ist, was Worktivity in einer Wayland-Sitzung bewusst nicht tut: es weicht nicht auf die alten X11-Schnittstellen aus. Die antworten dort nämlich weiterhin, sehen aber nur Anwendungen, die über XWayland laufen. Das Ergebnis wäre keine Fehlermeldung, sondern ein falscher Bericht, in dem Ihr Browser oder Ihr Editor schlicht nicht vorkommt. Deshalb schaltet der Agent die Anwendungserfassung lieber ab und schreibt das auf die Registerkarte Erfassen (Track).
Lässt sich der Sitzungstyp gar nicht lesen, gilt dasselbe: keine Anwendungserfassung und keine Bildschirmfotos. Zeit, Websites und Aktivität laufen weiter.
Wozu die GNOME-Erweiterung?
GNOME Shell lässt keine Anwendung fragen, welches Fenster gerade den Fokus hat. Es gibt dafür auch keine Berechtigung, die man erteilen könnte: die Anfrage wird abgelehnt, und damit ist der Weg zu Ende. Erreichbar ist die Angabe nur von innerhalb von GNOME Shell, also aus einer Erweiterung heraus. Genau das ist die Worktivity-Erweiterung.
Sie steckt bereits im .deb- und im .rpm-Paket und wird bei der Installation mit abgelegt. Sie müssen nichts zusätzlich herunterladen und nichts aus einem Erweiterungsverzeichnis holen.
Eingeschaltet wird sie vom Agenten selbst, und zwar erst dann, wenn Sie der Erfassung zugestimmt haben und Ihre Organisation Anwendungen überhaupt erfasst. Eine Schaltfläche dafür gibt es bewusst nicht: ein Schritt, den man erst suchen und drücken muss, wird übersehen, und das Ergebnis wäre ein Arbeitstag ohne Anwendungsdaten. Auf einem gemessenen GNOME 46 antwortet die Erweiterung rund sechs Sekunden nach dem Einschalten. Nur wenn GNOME sie danach immer noch nicht geladen hat, bittet Sie der Text auf der Registerkarte Erfassen (Track), sich einmal ab- und wieder anzumelden.
In der Erweiterungsverwaltung von GNOME steht sie als Worktivity Window Tracker und lässt sich dort jederzeit wieder ausschalten. Unterstützt wird GNOME 45 und neuer.
Weitergegeben wird nur wenig: die .desktop-Kennung, die Fensterklasse und die Prozessnummer des Fensters im Vordergrund. Den Fenstertitel liest die Erweiterung nicht und gibt ihn nicht weiter.
In einer X11-Sitzung wird die Erweiterung nicht gebraucht. Am Sperrbildschirm entlädt GNOME sie, und das ist richtig so: dort gibt es nichts zu erfassen.
Funktionieren Bildschirmfotos unter Linux?
Ja, sofern Ihre Organisation sie eingeschaltet hat. Wie sie zustande kommen, hängt wieder an der Sitzung.
- X11: direkt, ohne Berechtigung.
- Wayland: über das Desktop-Portal Ihres Systems. Sie werden einmal gefragt, beim Einstempeln, und der Desktop merkt sich die Antwort.
Dass die Frage beim Einstempeln kommt, hat einen Grund: das Portal zeigt seinen Dialog nur der Anwendung, die gerade im Vordergrund ist. Wenn das nächste Bildschirmfoto fällig wird, arbeiten Sie längst in einem anderen Programm, und die Frage ließe sich dann gar nicht mehr stellen.
Wenn Sie ablehnen, wird nicht weitergefragt. Der Agent versucht es bis zu seinem nächsten Start nicht erneut, Ihre Arbeitszeit und Ihre Aktivität werden weiter aufgezeichnet, und in den Einstellungen (Settings) steht, warum keine Bildschirmfotos entstehen. Ändern können Sie das in den Datenschutzeinstellungen Ihres Desktops.
Hat Ihre Wayland-Sitzung überhaupt kein Desktop-Portal, sind Bildschirmfotos gar nicht möglich. Auch das steht in den Einstellungen (Settings). Aufgenommen wird immer der ganze Bildschirm, danach verkleinert und komprimiert; ob das Bild zusätzlich verwischt wird, entscheidet Ihre Organisation. Ein komplett schwarzes Bild, wie es ohne Berechtigung entsteht, wird verworfen statt gesendet.
Woher weiß Worktivity, in welcher Anwendung Sie arbeiten?
Aus drei kleinen Angaben zum Fenster im Vordergrund: seiner .desktop-Kennung, seiner Fensterklasse und seiner Prozessnummer. Über die Prozessnummer liest der Agent in /proc den Namen und den Pfad der ausführbaren Datei nach.
Der angezeigte Name stammt aus dem Feld Name= des .desktop-Eintrags, und zwar bewusst aus der sprachunabhängigen Fassung. Würde die übersetzte Fassung gelesen, tauchte dieselbe Anwendung auf einem deutschen und auf einem englischen Rechner als zwei verschiedene Anwendungen im Bericht auf.
Bei Browsern kommt der Host der besuchten Seite dazu. Er wird nicht aus der Adressleiste gelesen, sondern aus der Verlaufsdatei des Browsers, und nur dann, wenn tatsächlich ein Browser im Vordergrund ist. Dieser Weg ist vom Kompositor unabhängig: auf einer GNOME-Wayland-Sitzung ohne Erweiterung werden Websites also weiter erfasst, Anwendungen nicht.
Was ist mit KDE, XFCE und anderen Desktops?
- In einer X11-Sitzung spielt der Desktop keine Rolle. KDE Plasma, XFCE, Cinnamon, MATE: überall dasselbe Bild wie oben, ganz ohne Erweiterung.
- In einer Wayland-Sitzung außerhalb von GNOME, also etwa KDE Plasma, Sway oder Hyprland, kann diese Version das aktive Fenster nicht lesen. Auch die Leerlaufmessung nutzt unter Wayland einen GNOME-Dienst, den es dort nicht gibt. Arbeitszeit und Websites werden weiter aufgezeichnet, und der Agent sagt auf der Registerkarte Erfassen (Track), dass die Anwendungserfassung aus ist, statt Erfassung vorzutäuschen.
Wenn Sie sich auf demselben Rechner auch in einer X11-Sitzung anmelden können, ist das dort der vollständigere Weg.
Was nicht aufgezeichnet wird
Diese Punkte gelten unabhängig von Sitzung und Desktop.
- Fenstertitel: nie. Die GNOME-Erweiterung fragt sie gar nicht erst ab, und im Datensatz auf dem Server gibt es kein Feld dafür.
- Vollständige Webadressen: nie. Aus der Verlaufsdatei wird nur der Hostname übernommen. Pfad, Suchanfrage und Anker werden beim Lesen verworfen und nirgends gespeichert, auch nicht im Protokoll.
- Tastenanschläge: nie. Gemessen wird ausschließlich, wie lange keine Eingabe kam. Was Sie tippen, wird nicht gelesen, und die Eingabegeräte werden nicht direkt mitgelesen.
- Inhalte: nie. Weder Dokumente noch Nachrichten noch das, was in einem Fenster steht.
Solange die Anwendungserfassung aus ist, geht auch kein Anwendungsname hinaus. Die Minuten werden dann neutral als Worktivity verbucht, damit im Bericht sichtbar bleibt, dass die Zeit gearbeitet wurde.
Wenn etwas nicht funktioniert
Das Fenster ist verschwunden
Schließen Sie das Fenster, während die Uhr läuft, wird es nur ausgeblendet und die Schicht läuft weiter. Ein Symbol im Systembereich gibt es nicht, weil GNOME seit Version 3.26 keines mehr anbietet. Starten Sie Worktivity einfach noch einmal über Ihren Anwendungsstarter: es startet dann kein zweiter Agent, sondern der laufende holt sein Fenster nach vorn.
Es heißt, die Anwendungserfassung sei aus
Warten Sie eine halbe Minute. In diesem Zustand prüft der Agent alle 30 Sekunden nach, ob die Erweiterung inzwischen antwortet, und schaltet von selbst um. Am Sperrbildschirm ist die Meldung normal. Bleibt sie und bittet der Text Sie um eine neue Anmeldung, ist das tatsächlich der letzte fehlende Schritt.
Wo liegen die Protokolldateien?
Im Verzeichnis ~/.local/state/worktivity, eine Datei pro Tag, benannt nach dem Muster worktivity-2026-08-21.log. Die letzten sieben Tage bleiben liegen. Wenn der Support nach einem Protokoll fragt, ist diese Datei gemeint.
Das Verzeichnis daneben, ~/.local/share/worktivity, sollten Sie nicht aufräumen: dort warten die Minuten, die noch nicht beim Server angekommen sind. Was damit passiert, steht in was bei einem Rechner ohne Verbindung passiert.
Fehler bei der Installation
Unable to locate package: das ./ am Anfang fehlt. Steht im Argument kein Schrägstrich, hält apt den Namen für einen Paketnamen und sucht ihn in den Paketquellen, statt die Datei in Ihrem Ordner zu nehmen.- Abhängigkeiten lassen sich nicht auflösen: der Paketindex ist veraltet. Einmal sudo apt update, danach die Installation erneut.
- dpkg -i oder rpm -i: nicht empfohlen, denn beide lösen keine Abhängigkeiten auf. Fehlt eine, lässt dpkg -i das Paket halb eingerichtet zurück und Sie müssen anschließend sudo apt --fix-broken install ausführen. Nehmen Sie apt beziehungsweise dnf.
- Kein Schlüsselbund gefunden: apt installiert empfohlene Pakete standardmäßig mit, dpkg nicht. Fehlt libsecret-tools, legt der Agent Ihr Sitzungstoken statt in den Schlüsselbund in eine Datei mit den Rechten 0600 und schreibt das in die Einstellungen (Settings). Das ist der zweite Grund, apt zu nehmen.
- Falsche Architektur: uname -m sagt Ihnen, welche Datei Sie brauchen. x86_64 nimmt die amd64- beziehungsweise x86_64-Datei, aarch64 die arm64- beziehungsweise aarch64-Datei.
sudo apt update
sudo apt install ./worktivity-<version>-amd64.deb
sudo dnf install ./worktivity-<version>-x86_64.rpmSetzen Sie überall den genauen Namen der Datei ein, die Sie heruntergeladen haben. Die Versionsnummer ändert sich mit jeder Veröffentlichung; in der Shell vervollständigt die Tabulatortaste den Namen für Sie.
openSUSE
Das Paket lässt sich dort mit zypper installieren, die automatische Aktualisierung funktioniert aber nicht: das Paket trägt die Aktualisierungsquelle nur in /etc/yum.repos.d/worktivity.repo ein, und zypper liest dieses Verzeichnis nicht. Auf openSUSE holen Sie neue Versionen also von Hand.
Was der Linux-Agent nicht hat
- Kein Symbol im Systembereich und keines in der Menüleiste, anders als unter Windows und macOS. Zum Ein- und Ausstempeln öffnen Sie das Fenster.
- Keinen Hintergrundmodus. Den gibt es nur unter Windows.
- Keine Aktualisierungsschaltfläche in der App. Unter Linux kommen neue Versionen über Ihren Paketmanager, weil das Paket die Aktualisierungsquelle bei der Installation mit einträgt.
Mehr dazu in wie Sie die Desktop-App aktualisieren. Welche App auf welchen Rechner gehört, steht im Vergleich der Desktop-Apps.
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